Kaum eine Epoche scheint so revivalfreudig wie die Achtziger. Ihre Musik und Mode feiern schon seit Jahren verständliche Wiederbelebungen – sofern sie überhaupt je tot waren. Denn vieles überlebt und gedeiht im Untergrund – wie die Mods. Neben Poppern, Punks, Rockern und Teds zählten sie zu den vielen unterschiedlichen Jugendkulturen dieser Zeit. Düsseldorf war weniger Mode- als Mod-Hauptstadt. Mit seinem Buch „Dreiknopf & Dosenbier“ zeichnet Andrey Nikolai ein vielschichtiges und unterhalt-sames Portrait dieser Subkultur und ihres Lebensgefühls. Seinen ganz besonderen Charme bekommt es durch die persön-lichen Erzählungen, Anekdoten und Fotos, die damalige Protagonisten der Szene wie Nico Beyer, Bodo Goliasch, Ralf Schienke, Peter Hein und viele andere beisteuerten.

 

Das großformatige Buch, das im September 2009 erscheint, wird zu einer Zeitreise, die den Leser in die Blütezeit der Dreiknopf-Anzug tragenden und Dosenbier trinkenden Subkultur zurückführt. In Deutschland war neben Hamburg auch Düsseldorf offizielle Mod-Hauptstadt. Hier wurden Bands gegründet, Fanzines verfasst und vertrieben, (inter)nationale Treffen, Konzerte, Fahrten organisiert und abgehalten. Festgehalten wurde das geschäftige (Rum)Treiben in mehr oder minder bunten Fotos. Viele davon finden sich in Nikolais Buch, ebenso wie Zeitungsartikel, Plattencover, Veranstaltungsposter und mit Schreibmaschine,Filz- und Pritstift gestaltete Fanzines. Sie dokumentieren und illustrieren die Geschichten und Gedanken, Erinnerungen und Anekdoten jener, die diese Ära miterlebten und mitgestalteten.

 

„Ich habe die damalige Szene der 80er Jahre in Düsseldorf und Umgebung von verschiedenen Seiten beleuchtet, um so ein reales Bild dieser Jugendbewegung und Zeit zeichnen zu können“, so Andrey Nikolai. Dies gelingt ihm schon durch die Originalaufnahmen in Wort und Bild, die sehr persönliche Einblicke in das Leben, Denken und Wirken der Mods geben.

 

Kurzinfo Mods Die Modbewegung (Mod = Abk. f. „Modernists“) hat ihren Ursprung im englischen Arbeiter- und Mittelklassemilieu der späten 1950er. Getreu dem Motto „Mehr Sein durch Schein“ wurde mittels teurer, maßgefertigter Kleidung und aufgesetztem Snobismus der vermeintlicheAnschluss an die oberen Gesellschaftsschichten gesucht. Daraus entwickelte sich mit den Jahren der Stil, der bis in die heutige Zeit das Bildder Mods maßgeblich prägt: Parka und „Mod-Target“ (die zielscheibenähnliche Kokarde der Royal Air Force).

 

Das Lebensgefühl der Modkultur wird als smart und exzessiv beschrieben; ihr Drogenkonsum nur als exzessiv. Der Erschöpfung der Nächte oder Wochen-enden dauernden Partys, sog. „Allnighter“ bzw. „Weekender“, wurde mit Amphetaminen Paroli geboten. Weitere Attribute der Mods sind die Musik der 60er Jahre, Tanzen, Roller und smarte Klamotten.

 

Die Musik der Mods war ursprünglich – woher sich im übrigen der Name dieser Subkultur ableitet – der sog. Modern Jazz; mit zunehmender Verbreitung kamen rasch Soul, R'n'B und jamaikanischer Ska hinzu. Später folgte Psychedelic, sowie der amerikanische Garage-Punk um nur einige Musikrichtungen der Mods zu nennen. In den Jahren um das Mod-Revival von 1979 konnte zudem der Punk an Einfluss gewinnen, nicht zuletzt durch Paul Wellers Band THE JAM. Im selben Jahr entstand, basierend auf dem gleichnamigen Konzeptalbum von The Who, der Film „Quadrophenia“, der ein brillantes (musikalisches) Bild der frühen Modbewegung zeichnet.